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Distanzmesser, sog. Triangularinstrument, mit Stativ



Distanzmesser, sog. Triangularinstrument, mit Stativ


Inventar Nr.: APK E 58
Bezeichnung: Distanzmesser, sog. Triangularinstrument, mit Stativ
Künstler / Hersteller: Jost Bürgi (1552 - 1632)
Benjamin Bramer (1582 - 1652)
Datierung: nach 1602
Objektgruppe: Geodätische Instrumente
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Messing, teilvergoldet; Stahl, z.T. blank-poliert, z.T. poliert und gebläut; Holz-Dreibein
Maße: 1 Lineal á 520 mm (Länge)
2 Lineale á 370 mm (Länge)
Beschriftungen: Beschriftung allg.: Siehe Bild TP20638


Katalogtext:
Zum geometrischen Bestimmen von Entfernungen; dies basiert darauf, daß nach der Ermittlung einer Basislinie bei der Vermessung dann nur noch winkelgleiche Dreiecke erstellt werden, wodurch an den Skalen der Visierregeln die Ablesung der Entfernung, als Verhältnis zur Basislinie, ohne trigonometrische Umrechnung möglich ist. Mit Originalstativ; dieses ist gesondert inventarisiert als I 26. Alle drei Visierregeln mit einheitlicher Längenskala, die beiden kürzeren dabei je von 1 bis 300 reichend und in Einerschritten, die längere von 1 bis 430 reichend und in Zweierschritten ausgeführt; Ablesegenauigkeit bei allen Skalen auf ca. halbe Einheiten. Auf letzterer Visierregel befindet sich eine weitere Skala, bis 90° reichend und ein direktes Ablesen des Winkels zwischen den beiden kürzeren Visierregeln ermöglichend; in 15' ausgeführt und mit einer Ablesegenauigkeit von ca. 5'. Diese Visierregel besitzt zudem ein aufklappbares quadratisches Kästchen mit Bussole, Richtungsangaben dort wie bei einem Bergkompaß mit Vertauschung von Ost und West. Die untere der beiden Grundplatten mit einer Sonnenuhr, die Bussole umschließend. Die obere, aufklappbare, der beiden Grundplatten mit einer außen in 2° ausgeführten Skala, Teilung 2x180° beidseitig, und innen mit einer korrespondierenden Skala von 2x12 Stunden. Alle Visierregeln mit Dioptern, je mit Visierschlitz und gegenüberliegendem Visierstift; nur bei der Visierregel zur Festlegung der Basislinie findet sich auf beiden Seiten je ein Visierschlitz und ein Visierstift. Ein ursprünglich wohl vorhandenes Lotpendel fehlt inzwischen. Wohl nicht signiert. Datierung basiert darauf, daß Bürgi 1602 ein kaiserliches Patent für solch ein Gerät erhalten hatte, was auf diesem Exponat auch eingraviert ist; vgl. hierzu die Ausführungen in Benjamin Bramers Publikation zum Triangularinstrument aus dem Jahre 1644. Für eine ergänzende weitere Funktionsbeschreibung siehe den nachfolgenden Text von KG. (PSch, 2018)

Dieses frühe Instrument zur Entfernungsmessung ist von seiner Konstruktion perfekt auf die Nutzung durch den typischen Landvermesser um 1600 eingerichtet, der eben nicht wie heutige Vermessungsingenieure die Grundlagen der Kreis-Geometrie beherrschte. Bürgis Instrument funktioniert nach dem Prinzip der zentrischen Streckung: Dabei wird zunächst die Länge einer der drei Strecken eines Geländedreiecks möglichst genau mit Hilfe einer Messlatte oder Messkette bestimmt. Die Streckenlänge wird auf der am Stativ befestigten Basis-Regel eingestellt. Nacheinander peilt der Vermesser mit Hilfe der beiden anderen regeln des Instruments dann von den Endpunkten dieser Strecke den dritten Geländepunkt an. Das Dreieck, das die drei Regeln des Instruments bilden, ist dem Geländedreieck ähnlich. Also kann der Vermesser ohne zusätzliches Rechnen den Abstand des dritten Geländepunkts von den Endpunkten der Basislinie auf den beiden Regeln ablesen, mit denen er den dritten Geländepunkt angepeilt hat.

Jost Bürgi erhielt von Kaiser Rudolph II. ein Patent, um im Heiligen Römischen Reich ohne Konkurrenz dieses Instrument herstellen zu dürfen. Zusätzlich zum Instrument existiert ein Handbuch, in dem 20 Verwendungsmöhlichkeiten genau beschrieben und mit hoch qualitätvollen Kupferstichen bebildert sind. (Karsten Gaulke, 2018)


Literatur:
Ludolf von Mackensen: Die erste Sternwarte Europas mit ihren Instrumenten und Uhren. 400 Jahre Jost Bürgi in Kassel. München 1979, S. 32 - 34


Letzte Aktualisierung: 15.02.2019


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