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Die Anbetung der Könige



Die Anbetung der Könige


Inventar Nr.: GK 992
Bezeichnung: Die Anbetung der Könige
Künstler / Hersteller: Jacob Jordaens (1593 - 1678), Maler/in
Datierung: 1643 - 1644
Objektgruppe: Gemälde
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Öl
Maße: 156,5 x 115,5 cm (Bildmaß)
166,5 x 126 x 10 cm mit RSS (Rahmenmaß)
Provenienz:1969 erworben von Kunsthandlung F. Teltscher, London


Katalogtext:
Jordaens stellt die im Matthäusevangelium nur sehr knapp geschilderte Anbetung der Könige als überbordendes farbenprächtiges Schauspiel aus einer kaum zu überblickenden Figurenmenge dar. Von links nähern sich die in prachtvolle Gewänder gekleideten Könige Maria mit dem Jesuskind und dem dahinter stehenden Joseph, der ehrfurchtsvoll seinen Hut lüftet, so dass die im Stall zu Bethlehem stattfindende Szene sakrale Würde erhält. Insbesondere der König ganz links mit dem an klerikales Ornat erinnernden Gewand und dem schwenkenden Weihrauchgefäß unterstützt diese Wirkung. Es dürfte dabei kein Zufall sein, dass das kostbare Weihrauchgefäß den Mittelpunkt der Komposition in der Nähe des Jesuskindes markiert. Jordaens zeigt sich hier ganz im Dienste gegenreformatorischer Bildrhetorik, wie sie auch das große Altarbild, das Rubens 1624 für die Antwerpener Abtei St. Michael schuf, vor Augen führt. Im Unterschied zu Rubens schildert Jordaens die Anbetung der Könige mit wesentlich mehr Figuren und schafft so ein ungleich dichtere Komposition, mit dem für den Künstler typischen Gedränge von Mensch und Tier. Anschaulich wird so das große Gefolge der Könige ins Bild gesetzt, das in der im 13. Jahrhundert entstandenen Legenda aurea des Jacobus de Voragine erwähnt wird. Seit dem frühen Mittelalter bürgerten sich zudem in der Westkirche die Namen Caspar, Melchior und Balthasar für die Könige ein.

Verschiedene Zeichnungen von Jordaens (in Antwerpen, Dublin und Edinburgh) belegen, wie sich der Künstler mit dem Thema auseinandersetzte. Das Kasseler Gemälde diente als modello für ein großes Altargemälde, das Jordaens 1644 für die Kirche St. Niklaas in Diksmuide schuf und das im 1. Weltkrieg leider zerstört wurde. Einige Veränderungen zum ausgeführten Altarbild lassen sich feststellen. So wurden z. B. die im Vordergrund kniende Figur rechts sowie die beiden dunkelhäutigen Begleiter des Königs Balthasar links eliminiert. Weiterhin wurde die Figur rechts neben dem König mit einem Kandelaber mit brennender Kerze gegen ein Kamel ersetzt. Die Veränderungen sorgten für eine etwas wenige gedrängte Komposition, veränderten aber auch den theologischen Akzent der Darstellung. Der Knabe mit dem Kandelaber, dessen Flamme sich mit dem leuchtenden Himmelstern zu verbinden scheint, verweist nicht nur auf das Licht, das Jesus in die Welt bringt, sondern visualisiert in seiner Gestalt als Messdiener ganz allgemein den Gottesdienst. Dass damit alle drei dunkelhäutigen Begleiter im ausgeführten Altarbild eliminiert wurden, ist bemerkenswert und könnte damit zu tun haben, dass man ihren Anteil aus kirchlichen Gründen reduzieren wollte.

Nach dem Kasseler modello entstand eine Zeichnung der Werkstatt, die heute in Antwerpen aufbewahrt wird. Eine mit 1653 bezeichnete Zeichnung in Antwerpen verdeutlicht, wie Jordaens die Komposition des Altarbildes zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal modifizierte und zum Teil mit Figuren aus früheren Entwürfen versah. So scheint die Figur des dunkelhäutigen Königs hier von der Entwurfszeichnung in Edinburgh übernommen zu sein, die wiederum Grundlage für ein heute in Rotterdam aufbewahrtes Leinwandgemälde der Jordaens-Werkstatt gewesen zu sein scheint.

Diese Entwurfspraxis, die Kompositionen über einen längeren Zeitraum immer wieder variiert, zum Teil versatzstückartig auseinandernimmt und verändert wieder zusammensetzt, ist sehr charakteristisch für Jordaens und lässt sich insbesondere in seinem zeichnerischen Werk verfolgen.
(J. Lange, 2019)



Literatur:
  • Adler, Wolfgang; Herzog, Erich; Lahusen, Friedrich; Lehmann, Jürgen M.: Gemäldegalerie Alte Meister Schloß Wilhelmshöhe. Braunschweig 1981, S. 49.
  • Schnackenburg, Bernhard: Flämische Meister in der Kasseler Gemäldegalerie. Kassel 1985, S. 42, Kat.Nr. 60.
  • Beisheim, Johannes; Ketelsen, Thomas: Bibelbilder (mit Erläuterungen zu Werken der Kasseler Gemäldegalerie Alte Meister von T. Ketelsen). Kassel 1992, Kat.Nr. 17.
  • Schnackenburg, Bernhard: Gemäldegalerie Alte Meister Gesamtkatalog. Staatliche Museen Kassel. 2 Bde. Mainz 1996, S. 152-161.
  • Black is beautiful. Rubens to Dumas. Ausstellungskatalog De Nieuw Kerk, Amsterdam. Zwolle 2008, S. 186, Kat.Nr. 17.


Letzte Aktualisierung: 16.12.2020


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