Halsamphora " Theseus und Minotauros"



Halsamphora " Theseus und Minotauros"


Inventar Nr.: T 679
Bezeichnung: Halsamphora " Theseus und Minotauros"
Künstler / Hersteller: The Affecter
Datierung: um 540 v. Chr.
Objektgruppe: Gefäß
Geogr. Bezüge: Griechenland, Athen
Material / Technik: Hellbrauner Ton mit Überzug; schwarzer Glanztonüberzug; weiße und dunkelrote Deckfarbe; Ritzung
Maße: 31,8 cm (Höhe)
Größter Durchmesser 24 cm (Durchmesser)
Mündungsdurchmesser 15,7 cm (Durchmesser)
Fußdurchmesser 12,3 cm (Durchmesser)


Katalogtext:
Das Gefäß betont im Formenaufbau seine Einzelglieder: der bauchige Körper verjüngt sich straff nach unten und kontrastiert zum reich profilierten Fußteller, nach oben wölbt er sich zur flachen Schulter und kontrastiert zum ausladenden Hals mit breiter, echinusförmiger Lippe; die dreistabigen und eigenwillig geformten Henkel folgen diesem akzentuierten Formprinzip; die verschieden starken Wulste und Profile an den Nahtstellen der Formteile Fuß, Körper, Hals und Lippe betonen die Vielgliedrigkeit. Die obere Hälfte des Gefäßes schmücken zwei figürliche Friese, getrennt durch zwei feine ornamentale Friese (Knospenkette und Zungenband) auf der Schulter am Halsansatz; die untere Gefäßhälfte ist monochrom schwarz bis auf eine Kette stehender Knospen und darunter einem doppelten Strahlenkranz über dem Fuß.

Auf Seite (A) packt in der Mitte Theseus den nach rechts fliehenden, menschengestaltigen Minotauros mit rückgewandtem Stierkopf beim Horn und holt zum Schwertstreich aus. Das Ungeheuer schwingt einen Stein in seiner Rechten gegen Theseus; vom Arm hängt ein Tuch zipflig herab; in der Linken hält er eine Lanze - wie ein Rangabzeichen aufgestellt - vor sich. Hinter dem attischen Held mit langen Haarzöpfen, in kurzem Chiton und zipfligem Fell, folgen zwei hinzueilende Männer in reichgemusterter Kleidung, von rechts ein Mann; hinter den Randfiguren fliegen Vögel. Auf Seite (B) wird ein bärtiger, kurzgewandeter Reiter mit Lanze vom voranschreitenden, sich umwendenden Hermes mit Kerykeion und Tüchern über den Armen nach rechts geleitet. Über der Pferdekruppe fliegt ein Vogel zu den nachfolgenden Figuren, einem Bärtigen in langem Gewand mit Lanze und dahinter dem geflügelten Aristaios in kurzem Gewand und Fell mit Doppelhacke in der Rechten und Korb (Kibisis) über dem linken Arm. Die Szene wird seitlich von je einem Flügelpferd (Pegasos) gerahmt. Den Hals zieren je zwei Verfolgungsbilder. Auf der Vorderseite bedroht ein bärtiger Mann mit Lanze einen nach rechts laufenden, sich umblickenden Jüngling; seitlich schaut je ein gestikulierender Mann stehend zu. Auf der Rückseite verfolgt ebenfalls ein bärtiger Alter einen Jüngling; links steht ein Mann und hält ein Salbgefäß (Aryballos) empor, rechts gestikuliert ein Lanzenträger.

Die Tötung des Minotauros ist die am häufigsten dargestellte Tat des Theseus in der attisch-schwarzfigurigen Vasenmalerei und bezeugt das besondere Interesse an der befreienden Tat des Athener Heiden. Unter den wenigen mythologischen Bildern des Affekter-Malers ist es das geläufigste; er verwendet in der Regel nicht näher bestimmbare Szenen, wie etwa die Verfolgungsszenen auf dem Hals und der Rückseite. Außer Hermes ist hier der geflügelte Aristaios, ein alter, bäuerlicher Segensgott für Landbau, Viehzucht und Jagd zu erkennen.

(Yfantidis 1990)



Literatur:
  • Yfantidis, Konstantinos: Antike Gefäße. Staatliche Kunstsammlungen Kassel. Eine Auswahl. Melsungen 1990, S. 130-131, Kat.Nr. 73.


Letzte Aktualisierung: 16.08.2019


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