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Gnadenpfennig mit dem Brustbild der Landgräfin Amalie Elisabeth



Gnadenpfennig mit dem Brustbild der Landgräfin Amalie Elisabeth


Inventar Nr.: KP MK 462/11
Bezeichnung: Gnadenpfennig mit dem Brustbild der Landgräfin Amalie Elisabeth
Künstler / Hersteller: Ludwig von Siegen (1609 - 1680), Modell
Dargestellt: Amalie Elisabeth Landgräfin von Hessen-Kassel (1602 - 1651), Dargestellt
Datierung: 1641
Objektgruppe: Medaille / Plakette
Geogr. Bezug: Amsterdam
Material / Technik: Gold, Email
Maße: 5,3 x 4 x 0,2 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Die kunstvoll gearbeitete Porträtmedaille der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen-Kassel stellt ein besonderes Kleinod unter den Münzen und Medaillen der Kasseler Sammlung dar. Der goldene Anhänger zählt zu den sogenannten Gnadenpfennigen, die bis ins 17. Jahrhundert für besondere Verdienste und als Zeichen großer Gunstbezeugung von Herrschern an ausgewählte Personen verliehen wurden.
Die Vorderseite des Gnadenpfennigs zeigt das fein gearbeitete Brustbild der Amalie Elisabeth in ihrer Witwentracht als Regentin für ihren minderjährigen Sohn und späteren Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel. Unterhalb der Inschrift, die das Bildnis eindeutig als das der Landgräfin benennt, zeigt ihr meisterlich in Dreiviertelansicht gearbeitetes Antlitz einen selbstbewusst auf den Betrachter gerichteten Blick und entschlossene Gesichtszüge, umrahmt von bis auf die Schulter fallenden Locken. Amalie Elisabeth inszeniert sich hier wie in allen Darstellungen aus der Zeit ihrer vormundschaftlichen Regentschaft als Witwe mit Haube und Witwenschleier, breitem Kragen, dezentem Schmuck und Brustschleife. Die Trauerkleidung erinnert an den verstorbenen Gatten und demonstriert die durch ihre Ehe geschlossene dynastische Verbindung. Die Darstellung Amalie Elisabeths als Witwe bezeichnete und sicherte damit die rechtliche Grundlage ihrer Regentschaft, die keine Herrschaft aus eigenem Recht war, sondern auf den testamentarischen Bestimmungen ihres verstorbenen Ehemannes Landgraf Wilhelm V. beruhte, der sie als Regentin und Vormund ihrer gemeinsamen Kinder, allen voran des noch unmündigen Thronfolgers, bestimmt hatte (Testament Wilhelm V., HStAM, Bestand 4a, 46, Nr. 11). Denn bei einer Wiederverheiratung hätte Amalie Elisabeth, sowohl nach allgemeinem Recht als auch nach der Verfügung Wilhelms V., jeglichen Anspruch auf die Vormundschaft verloren. Ihr Herrscherporträt als Witwe ist damit maßgeblicher Bestandteil der Legitimationsstrategie als vormundschaftlich regierende Landgräfin.
Rückseitig trägt der Gnadenpfennig das von Amalie Elisabeth selbstgewählte Sinnbild mit dem Leitspruch »KEIN • MACHT • NOCH • LIST • MEIN • FELS • GOTT • IST«. Erscheint die Inschrift wenig rätselhaft, so ist es die dargestellte Szene umso mehr. Sie zeigt einen Felsenkegel, auf dessen Gipfel ein geflügeltes Herz auf einem Altar unter den Strahlen einer leuchtenden Sonne ruht. Die Kuppe des Felsenkegels wird dabei von einem mächtigen Wolkenband umgeben, aus dem links Windböen hervorstoßen, während sich am Fuße des Felsens ein Stollen öffnet und den Blick auf einen Bergmann mit Schubkarre freigibt. So spiegelt das Emblem der Landgräfin nicht nur ihr unerschütterliches Vertrauen in die Allmacht Gottes wider, sondern offenbart darüber hinaus das Herrschaftsverständnis Amalie Elisabeths als souveräne Herrscherin von Gottes Gnaden. Zugleich versinnbildlicht der sturmumtoste Felsen eindrücklich die Anfeindungen und Widrigkeiten, denen sich die Landgräfin während ihrer Regierungszeit gegenübersah, während der Bergmann Sinnbild ihrer geleisteten Mühen ist. Denn als Amalia Elisabeth 1637, mitten im Dreißigjährigen Krieg, nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes die Regentschaft für ihren erst achtjährigen Sohn übernahm, schien der Untergang der Landgrafschaft bereits besiegelt. Dennoch gelang es Amalie Elisabeth mit großer Durchsetzungskraft, militärisch-strategischem Weitblick und politischem Scharfsinn, Hessen-Kassel erfolgreich durch den Konflikt mit dem Kaiser, den Marburger Erbschaftsstreit, die bedrohlichen letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges und die Verhandlungen zum Westfälischen Frieden zu führen.
(Oktober 2016, Stefanie Cossalter-Dallmann)


Literatur:
  • Scherner, Antje [Bearb.]; Cossalter-Dallmann Stefanie [Bearb.]: Aus der Schatzkammer der Geschichte. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Petersberg 2016, Kat.Nr. 31, S. 80.


Letzte Aktualisierung: 31.05.2019


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