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Tasterzirkel



Tasterzirkel


Inventar Nr.: APK G 74
Bezeichnung: Tasterzirkel
Künstler / Hersteller: Johann Adolph Herget(t) (1690 - 1758)
Datierung: vor 1758
Objektgruppe: Mathematisches Instrument
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Metall: Messing, vernietetes Drehlager; eingelötete Stahlspitzen; Gravuren,
Maße: 17,55 x 5,25 x 0,25 cm (Objektmaß)
18 x 7 x 0,3 cm (Objektmaß)
Beschriftungen: 278
Signatur: J A Hergett Fecit


Katalogtext:
Mit Proportionalzirkeln können verschiedene Rechenaufgaben zeichnerisch gelöst werden. Dabei befinden sich auf beiden Armen Skalen, die verschiedene Berechnungen ermöglichen. Zunächst muss mit einem Stechzirkel der Abstand an einer Zeichnung abgenommen werden, der umgerechnet werden soll. Danach werden die Arme des Proportionalzirkels so weit geöffnet, wie es der eingestellte Stechzirkel erfordert. Orientierungspunkt ist der gewünschte Anfangswert auf der Skala, die auf beiden Armen vorhanden ist. Anschließend sucht man auf der gleichen Skala den Endwert. Legt man an diesen Punkten auf beiden Armen den Stechzirkel an, so entspricht die hier abgenommene Strecke dem gesuchten Ergebnis. Dieser Vorgang funktioniert nach dem Proportionalitätsprinzip ähnlicher Dreiecke, bekannt auch als zweiter Strahlensatz.

Nach diesem Prinzip arbeiteten die Proportionalzirkel, die als universelle Recheninstrumente so viele Funktionen wie möglich auf sich vereinen sollten. Die sogenannten „einfachen“ Proportionalzirkel wurden möglicherweise von Galileo Galilei entwickelt und waren wie zwei Lineale, die an einem Scharnier miteinander verbunden waren. Größere Zirkel konnten natürlich mehrere Linien für Rechenoperationen aufnehmen, aber der Platz war begrenzt. Deshalb wurden solche Zirkel für verschiedene Aufgabengebiete hergestellt.

Dieser Proportionalzirkel von Herget war für militärische Ansprüche entworfen worden. Die auffälligen runden Backen sollten beispielsweise helfen, den Durchmesser von Gewehr- oder Kanonenkugeln zu ermitteln. Am Scharnier befindet sich auch eine Winkelskala zur Bestimmung von Winkeln. Genauso gibt es Angaben von durchschnittlichen Gewichten pro Quadratinch verschiedener Materialen wie Eisen, Zinn, Blei oder Gold. Auf der Rückseite finden sich auch Kalibergrößen verschiedener zeitgenössischer Kanonentypen. Ungewöhnlich ist die englische Beschriftung des Zirkels. Lateinische oder französische Beschriftungen waren zu dieser Zeit üblicher.

(B. Schirmeier, 2018)


Literatur:
  • Bungarten, Gisela (Hrsg.): Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, Kat.Nr. X.167, S. 547-548.


Letzte Aktualisierung: 03.08.2018


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