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Aufsatzschreibtisch



Aufsatzschreibtisch


Inventar Nr.: SM 2.3.114
Bezeichnung: Aufsatzschreibtisch
Künstler / Hersteller: Friedrich Wichmann (tätig um 1790 - um 1811)
Datierung: 1810 / 1811
Objektgruppe: Möbel / Schreibmöbel
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Holz: Korpus Eiche, Nadelholz, Birke, Birkenwurzelfurnier (karelische Birke?), Mahagonifurnier, Linde geschnitzt, farbig gefasst und vergoldet, vergoldete Bronze, Messing, weißer Marmor
Maße: (o.Aufsatz) 79,5 (m.Aufsatz) 166,5 x 201 x 106,5 (Objektmaß)


Katalogtext:
Aufsatzschreibtisch mit reichen Bronzebeschlägen, Schnitz- und Bildhauerarbeiten. Die Wangen der Sockelzone in Form vollplastischer Greifen gearbeitet, je einer pro Seite, die auf einem länglichen Sockel aufsitzen. Sockelfront mit kleinem vergoldetem Beschlag in Blattform. Die Greifen sitzend mit hinter den Rücken genommenen Flügeln und langem, in sich aufrollenden Blattformen endenden Schwanz. Körper dunkel gefasst, Krallen, Kopf mit Mähne, Kamm und Teile des Schwanzes vergoldet. Sockelzone auf der Rückseite geschlossen, die Ansätze zu den Wangen hin volutenartig gebildet mit Beschlag in Form eines länglichen Blattes. Mittig auf der Rückseite rechteckiges Relief, eine antike Szene an einem Opferaltar darstellend. Zu Seiten des Altares, von dem Rauch aufsteigt, je 5 Personen, Männer und Frauen, die dem Opfer beiwohnen bzw. Gaben bringen. Aus der rechten Gruppe ein Krieger knieend vor dem Altar. Seitlich des Reliefs je ein großer vergoldeter Beschlag in durchbrochener Rosettenform. Unter dem Relief eine ovale Messingplakette: Moeble Manufactur von Fr. Wichmann Sculpteur in Cassel. 3 Zargenschubladen, die Schlüsselschildbeschläge aus länglichen Blattkränzen, die mittlerste Schublade seitlich von kleinen Rosettenappliken gerahmt. Die Ecken der Zargenfront durch quadratisches Feld hervorgehoben. Im Feld je ein antikisierender Kopf im Profil umgeben von Sternappliken: links behelmter Krieger, rechts Jünglingskopf mit Lockenfrisur. Vorkragende Schreibplatte auf Karniesgesims. Rechteckiger Aufsatz, durch 4 Karyatidenstützen unterteilt, mit je 4 seitlichen Schubladen und mittlerer Tür. Die Karyatiden aus hellem Marmor in länglicher Pfeilerform, im oberen Teil mit Gewandung, der Kopf frontal ausgerichtet mit Schleierbedeckung. Am unteren Ende des Pfeilers Bronzebeschlag in Blattform, auf der Pfeilerfront kleiner Blattbeschlag in Tropfenform. Reicher Schubladenbeschlag: Schlüsselschildbeschlag aus radial angeordneten Blättern im Kranz mit seitlichen Blatt- und Rankenformen, daneben je eine Löwenkopfmaske, einen Stab im Maul haltend. Die 2. Schublade von oben auf der rechten Seite rückseitig in Tinte beschriftet:
Dieses Moebel wurde im Jahre 1810 und 1811 hindurch mit aller Sorgfalt nach der Idee / Zeichnung und in der Manufactur des Fr: Wichmann zu Caßel verfertigt, zuvor aber waren die Stein Arbeiten, daß Basrelief so wie die Cariatuden aber früher von p.Wichmann angefertigt und auf der Kunst Ausstellung in Berlin ausgestellt worden.
1812. Januar.
Die Mitteltür mit vertieftem, von Blattstabranke gerahmtem Feld. Figürlicher Beschlag in Form eines stehenden Kriegers in antikisierender Rüstung, mit Schild, Helm und Schwert, einen Stab in der Rechten haltend. Vor dem Krieger eine Weltkarte in Scheibenform, in Quadranten eingeteilt und mit Beischriften versehen. Beigefügt seitliche Blitzbündel. Die Inneneinteilung hinter der Tür bestehend aus großem offenem Fach, darüber kleine Schublade. Griff der Schublade in Ringform, aus dem Maul einer Löwenkopfmaske entspringend. Vorkragendes Kranzgesims mit Bronzeleisten aus geriffelten Stäben sowie Eichel- und Eichenlaubfries. Blockförmiger, überhöhter Mittelteil, mittig eingefügt ein Relief mit halbrundem Abschluss, eine mythologische Szene darstellend und von kleinem Blattfries gerahmt. Die Darstellung zeigt rechts Orpheus die Lyra spielend, und mittig die von ihm aus der Unterwelt befreite Eurydike, die mit 3 Frauen in antikisierender Gewandung (Musen?) tanzt, eine vierte dahinter mit Zackenkrone. Hermes, Orpheus Halbbruder, ist auf der linken Seite zu sehen. Auf der linken Seite noch zwei tanzende Putten. Auf einem Stein signiert: F.W. Zu Seiten des Reliefs zwei kleine Sternappliken. Abschließendes Kranzgesims mit Bronzebeschlägen wie beim Kranzgesims des Aufsatzes.
Wilhelmshöhe Inv. Verz. Bd. I a S. 174
Der Schreibtisch lt. Altkarte eine Anfertigung für Jérôme Bonaparte.
Inv. v.Meter 17.05.2000



Literatur:
  • Kreisel, Heinrich/ Himmelheber, Georg: Die Kunst des deutschen Möbels. Klassizismus, Historismus, Jugendstil. 2. Aufl. München 1983, S. 79.
  • König Lustik!? Jérôme Bonaparte und der Modellstaat Königreich Westphalen. München 2008, S. 338-339, Kat.Nr. 222.

Siehe auch:


  1. GS 26776: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Corps de Logis, Skizze zu einem Prunkschreibtisch für Jérôme, König von Westphalen, Seitenansicht
  2. GS 6123: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Corps de Logis, Skizze zu einem Prunkschreibtisch für Jérôme, König von Westphalen, Ansicht
  3. GS 6124: Kassel-Wilhelmshöhe, Schloß, Corps de Logis, Skizze zu einem Prunkschreibtisch für Jérôme, König von Westphalen, Ansicht


Letzte Aktualisierung: 02.11.2020


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