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Präzisionsuhr mit Kreuzschlaghemmung und Federremontoire



Präzisionsuhr mit Kreuzschlaghemmung und Federremontoire


Inventar Nr.: APK U 43
Bezeichnung: Präzisionsuhr mit Kreuzschlaghemmung und Federremontoire
Künstler / Hersteller: Jost Bürgi (1552 - 1632), Zuschreibung
Datierung: vor 1590
Objektgruppe: Uhr
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Holz, Messing, Eisen, Glas, Darmsaite
Maße: mit Gehäuse 34 x 22 x 15 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Die Uhr besticht durch ihre feinmechanische Präzision, sowie die Verwirklichung mehrerer technischer Innovationen. Sie weist einen Zwischenaufzug auf, der jede Stunde aktiv wird. Somit nutzt die Uhr immer dasselbe Intervall der Federentspannung. Damit löste Bürgi das Problem der sich ungleich entspannenden Feder, die derart angetriebene Uhren sehr ungenau gemacht hat. Neu ist auch die Kreuzschlaghemmung, bestehend aus miteinander verzahnten Armen, die gegeneinander schwingen.
In den noch erhaltenen Akten der Sternwarte aus dem 16. Jahrhundert tauchen immer wieder mehrere Uhren auf, mit deren Hilfe Christoph Rothmann und seine Gehilfen Zeitintervalle mit einer Genauigkeit von unter 1 Zeitminute gemessen haben. Die Beschreibung einer der Uhren passt gut auf diese Kreuzschlaguhr. Sie habe, so Rothmann, eine „doppelte Waag“, was auf die neuartige, von Bürgi in die Uhrmacherei eingeführte Kreuzschlaghemmung hinweist. Zudem, so Rothmann, habe die Uhr keinen Minuten- und Sekundenzeiger, daher seien die Bruchteile der Minuten gehört worden. Dies weist auf eine Periodendauer der Kreuzschlagschwingung von 1 Sekunde hin.


Die Zuschreibung dieser Uhr an Jost Bürgi beruhte bisher auf einer vergleichenden Analyse einiger technisch sehr ähnlicher Uhren, die Hans von Bertele in den 1950er Jahren durchgeführt hat. Er ging von einer detaillierten Untersuchung der Bergkristalluhr aus dem Kunstmuseum Wien aus, der einzigen Uhr, die Bürgi je signiert hat. Wie die Kasseler Uhr besitzt sie eine Kreuzschlaghemmung und ein Federremontoire, weist aber einige technische Verbesserungen auf, wie zum Beispiel ein flaches Sägezahnrad als Hemmrad, an dem ein genaueres Einstellen des Eingriffs der Spindellappen möglich ist, was mehr Konstanz im Gehwerk bewirkt.

(K. Gaulke, 2018 und 2007)


Literatur:
  • Karsten Gaulke (Bearb.): Der Ptolemäus von Kassel. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und die Astronomie. Kassel 2007, S. 156-158.


Letzte Aktualisierung: 12.10.2018


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