einfacher Theodolit, sog. Hollandkreis, für Stativ



einfacher Theodolit, sog. Hollandkreis, für Stativ


Inventar Nr.: APK E 9
Bezeichnung: einfacher Theodolit, sog. Hollandkreis, für Stativ
Künstler / Hersteller: Johann Eggerich Frersz (+1706)
Datierung: 2. Hälfte des 17. Jh.
Objektgruppe: Geodätische Instrumente
Geogr. Bezug: Berlin
Material / Technik: Messing - Nonius verzinnt oder versilbert, Glas, gebläuter Stahl, schwarze Einlegemasse in den Gravuren, Haar, Lackbeschichtung
Maße: Teilkreis 306,7 mm (Durchmesser)
maximaler Durchmesser 37 cm mit Randausbuchtung (Durchmesser)


Katalogtext:
Zum Messen von Horizontal- und Vertikalwinkeln, mit einer ungewöhnlichen Anbringung der Winkelskalen, welche sich aus der spezifischen Konstruktion vom Nonius ergibt; die Bussole befindet sich in der Mitte der kreuzförmigen Grundplatte. Für Stativ, zudem mit Aufhängering; laut Prizier-Inventar war das Stativ zumindest 1765 noch vorhanden. Die äußere Skala ist in 10' ausgeführt, außen Teilung als 1x360° im Gegenuhrzeigersinn, innen Teilung als 1x360° im Uhrzeigersinn, mit markanter Verschiebung beider Teilungen, so entspricht z.B. 15° der äußeren Teilung im Gegenuhrzeigersinn der 180° von der inneren Teilung im Uhrzeigersinn; mittels Nonius, der sich erst vom Rand der Alhidade als silberner 60°-Bogen erstreckt und dessen Nullpunkt vom dortigen Diopter ca. 7.5° entfernt ist, auf 1' ablesbar. Die innere Skala hat einen kombinierten Wert von 800 für den Vollkreis, als 8x100 beidseitig z.B. von der 180° der Teilung im Uhrzeigersinn ausgehend; der Abstand zwischen den Strichen verkleinert sich von 0 bis 100, berücksichtigt dabei die Noniuskonstruktion und weist auf eine trigonometrische Funktion, vermutlich Höhenbestimmung über den Tangens, hin. Die Skala der Bussole ist in 1° ausgeführt, Richtungsangaben im Uhrzeigersinn. Am Rand der Grundplatte befinden sich insgesamt vier feste Diopter, je mit Visierschlitz und ursprünglich wohl alle mit Visierfäden, die mit der Lage des Aufhängerings, hier dann aber nicht in üblicher Weise auch mit Winkelgraden korrespondieren; auf der Alhidade zwei weitere Diopter, von derselben Bauart. Die Signatur 'Johannes Eggerich Frersz Fecit Cölln an der Spree' ist auf der Alhidade eingraviert; Cölln an der Spree ist heute Teil von Berlin, Bezirk Berlin-Mitte. Die Datierung basiert auf dem nachweisbarem Wirken von Frersz; ein nahezu identischer, allerdings in Leiden verfertigter, Hollandkreis von Frersz, aus dem Jahre 1659, befindet sich im Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden. Im CG-Sammlungsführer aus dem Jahre 1888 beschrieben als 'Die Arbeit ist ziemlich gut ausgeführt, die sonstige Anordnung aber möglichst unzweckmässig und unüberlegt, so dass ein Winkel nur mit grosser Mühe und Zeitverschwendung abzulesen wäre'; für die Verwendung von Hollandkreisen überhaupt vgl. nachfolgenden Text von BjS. (PSch, 2018)

Im Zusammenhang mit dem Bau neuartiger, sogenannter polygonaler Festungswerke entstanden auch neue Vermessungsinstrumente. Die modernen Festungen wurden auf dem flachen Land, auch häufig um Städte herum, errichtet. Wegen ihres erhöhten Flächenbedarfs benötigte man genauere Instrumente zur Vermessung. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde in den Niederlanden ein neuer Instrumententypus erfunden, der auch dort seinen Namen erhielt: Holland-Kreis. Meistens haben diese Instrumente einen vollen Kreis, seltener einen Halbkreis, der zur Einmessung von Punkten in der Landschaft genutzt wird. Die frühesten erhaltenen Kreise stammen aus den 1620er Jahren. Schnell benutzte man sie allgemein für die Landesvermessung, die auch Landgraf Carl für sein Herrschaftsgebiet plante. Die Benutzung der Holland-Kreise erforderte aber Vermesser mit einer guten mathematischen Ausbildung. Davon gab es in Hessen-Kassel aber nicht genug, was Landgraf Carl unter anderem zur Gründung des Collegium Carolinums bewog. Wie auch ein mathematischer Besteckkasten aus der Sammlung des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts wurde dieser Holland-Kreis von Frers in Cölln an der Spree bei Berlin gebaut. Eine Datierung ist nicht bekannt, das Instrument dürfte aber in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hergestellt worden sein (B. Schirmeier, 2018).



Literatur:
  • Bungarten, Gisela (Hrsg.): Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Ausstellungskatalog. Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel. Petersberg 2018, S. 543-544, Kat.Nr. X.161.


Letzte Aktualisierung: 21.01.2019


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