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Himmelsglobus



Himmelsglobus


Inventar Nr.: APK A 10
Bezeichnung: Himmelsglobus
Künstler / Hersteller: Antonius Eisenhoit (1553 - 1603), Werkstatt (?)
unbekannt
Datierung: um 1580
Objektgruppe: Astronomisches Instrument
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Messing (teilweise vergoldet), Silber(?), Eisen
Maße: Kugel 50 mm (Durchmesser)
11,5 cm (Höhe)


Katalogtext:
Detailbeschreibung:
Der silberne Globus ist fest mit dem Meridianring aus Messing verschraubt. Der Meridianring wiederum sitzt herausnehmbar in zwei Aussparungen des Horizontrings, der Teil des Gestells ist. Das Gestell ist aus vergoldetem Messing und besteht aus einem gedrechselt wirkenden Fuß sowie zwei viertelkreisförmig gebogenen Trägerfiguren, die nur halbplastisch ausgestaltet sind. Auf dem zweigeteilten Horizontring sind außen die Monate, innen die Tierkreissternbilder mit 12 x 30°-Skala aufgetragen. Daß der Meridianring den Horizont am 21. 12. und 21. 6. schneidet, deutet auf die Anwendung des gregorianischen Kalenders hin. Der Hersteller hat also entweder den Auftrag eines päpstlich gesonnenen Auftraggebers ausgeführt oder ist selbst in einem katholischen Territorium beheimatet gewesen.
Der Meridianring ist komplett ausgeteilt, wobei die Gradzahlen nur für 90° über dem Nordhorizont sowie 20° über und 10° unter dem Südhorizont angegeben sind. Die kleinste Einheit der Skala ist 1°. Der Benutzer kann die Polhöhe bis auf 1°-Genauigkeit durch einfaches Verschieben des Meridianringes einstellen. Auf dem Meridianring befindet sich ein silbernes Zifferblatt mit einer 2 x 12-Stunden-Skala. Bewegt man den Globus, bewegt sich der gebläute Zeiger mit und vollführt dabei die scheinbare vierundzwanzigstündige Rotation des Himmels von Ost nach West, die in Wirklichkeit von der Rotation der Erde von West nach Ost herrührt.
Die silberne Globuskugel ist entlang der Ekliptik halbiert. Die Ekliptik ist in eine 12 x 30°-Skala eingeteilt. Die vertikalen Großkreise schneiden sich alle im südlichen und nördlichen Pol der Ekliptik. Aus dem Äquatorialsystem sind die wichtigsten Großkreise des Himmelsäquators übernommen, dargestellt durch drei nicht skalierte Linien, sowie der nördliche und südliche Wendekreis.

Kontext:
Diese Globuskugel fällt durch die besonders fein gravierten Sternbilder auf. Vergleicht man sie mit den mechanischen Himmelsgloben Kassel I und Kassel II, fällt auf, daß für die Gravierungen offensichtlich die gleichen Vorlagen verwendet wurden. Dies zeigt sich besonders deutlich bei den Sternbildern „Argo Navis“ (Schiff der Argonauten) und „Libra“ (Waage). Die besonders bewegte Darstellung des Sternbilds Libra ist charakteristisch für den Warburger Kupferstecher Antonius Eisenhoit. Daß Eisenhoit den Globus selbst gestochen hat, ist jedoch unwahrscheinlich, sind doch die Gravierungen verglichen mit Kassel I und Kassel II nicht mit derselben Lebendigkeit ausgeführt. Besonders fällt dies bei der Darstellung des Herkules auf, der auf den bewegten Globen vor Kraft strotzend fast aus der Oberfläche herauszuspringen scheint. Zudem fehlen die feinen Schraffierungen Eisenhoits, die so eindrucksvoll Schatten und Licht erzeugen. Dennoch ist die Gleichartigkeit der Vorlagen so auffällig, daß es richtig erscheint, die Herstellung des Globus der Werkstatt Eisenhoits zuzuordnen.

(K. Gaulke, 2018)


Literatur:
  • Karsten Gaulke (Bearb.): Der Ptolemäus von Kassel. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und die Astronomie. Kassel 2007, S. 192.


Letzte Aktualisierung: 18.09.2018


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