Bauchamphora - Priamos bei Achill



Bauchamphora - Priamos bei Achill


Inventar Nr.: T 674
Bezeichnung: Bauchamphora - Priamos bei Achill
Künstler / Hersteller: Gruppe E (560 - 540 v. Chr.)
Datierung: um 550 v. Chr.
Objektgruppe: Gefäß
Geogr. Bezüge: Athen
Material / Technik: Hellbrauner Ton mit Überzug; schwarze Glanztonbemalung;
dunkelrote und weiße Deckfarbe; Ritzung
Maße: 42,5 cm (Höhe)
größter Durchmesser 27 cm (Durchmesser)
Mündung 17,5 cm (Durchmesser)
Beschriftungen:


Katalogtext:
Der bauchige Körper auf echinusförmigem Fuß geht fließend in den kurzen Hals mit zwei niedrigen Vertikalhenkeln über; die Öffnung ummantelt eine überkragende, kantige Lippe. Die Amphora ist beidseitig auf Schulter und Bauchansatz mit einem hochrechteckig wirkenden Bild bemalt; ein Strahlenkranz schmückt über dem Fuß das ansonsten schwarz metallisch glänzende Gefäß mit einigen dunkelroten Reifen. Das Bild der Vorderseite (A) zeigt Hektors Lösung, eine Episode aus dem Kampf um Troja.

Auf einer reich verzierten Kline in der Bildmitte lagert Achill, bärtig und lediglich mit einem Hüftmantel bekleidet. Der von ihm getötete Hektor liegt nackt mit angewinkelten Beinen und unter den Kopf gelegter Hand rücklings unter der Kline. Von links tritt mit weißem, schütteren Haar und rot gestreiftem Mantel der Vater und König von Troja, Priamos heran und bittet mit vorgestreckten Armen auf den erschlagenen Sohn zeigend um Herausgabe des Leichnams. Hinter ihm steht eine Frau im Peplos und über den Kopf gezogenem Mantel, wahrscheinlich die Gefährtin Achills, Briseis. Im Hintergrund sind eine Schale, ein Schwert, eine Kopfbinde und ein Schild aufgehängt. Vor Achills Kline steht ein Tisch mit Nahrung, auf zwei Höckern zwei Helme; ein zweiter Schild lehnt am rechten Bildrand in Profilansicht; die zweite Rüstung ist vermutlich als Siegestrophäe zu deuten. Eine Lotos-Palmetten-Kette schließt das Bild oben ab.

Die Rückseite (B) zeigt einen Zweikampf über einem Gefallenen. Zwei voll gerüstete Krieger gehen mit erhobenen Lanzen und mit großen Rundschilden, welche die linke Körperflanke decken, aufeinander los. Der linke trägt einen Helm mit zwei Federn, der rechte einen konventionellen Helmbusch und einen Schild mit einem Dreifußemblem, dessen vielfältige Bedeutungen sowohl im Schicksalsorakel als auch im Siegespreis beim Wettkampf liegen. Der auf den linken Krieger zufliegende Vogel könnte ebenso schicksalhalft auf den Unterliegenden vorausweisen. Den Kampf beobachten auf beiden Seiten je ein Mann in Chiton und Mantel. Den bäuchlings liegenden, noch in der Rüstung steckenden Gefallenen deckt sein Rundschild; sein Tod weist auf das Schicksal des Verlierers hin; seine Rüstung winkt dem Sieger als kostbare Beute. Vermutlich ist ebenfalls eine Szene aus der trojanischen Sage wiedergegeben, bei welcher um den Leichnam eines Griechen oder Trojaners gekämpft wird.

Darstellungen aus dem trojanischen Sagenkreis - besonders mit Achill - sind in der schwarzfigurigen Vasenmalerei beliebt; die Szene auf der Vorderseite schildert Homer ausführlich in der Ilias (XXIV 468 f.).

(Yfantidis 1990)


Literatur:
  • Lexicon Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC).
  • K. Schefold: SB II, S. 236, Kat.Nr. 316.
  • J. D. Beazley: Attic Black-figure Vase-painters. 1956, Kat.Nr. 135,31bis.
  • R. Lullies: AntK 7. 1964, S. 82ff.
  • B. Fehr: Orientalische und Griechische Gelage. 1971, S. 57f, 145, Kat.Nr. 84.
  • John Davidson Beazley: Paralipomena. Additions to Attic black-figure vase-painters and to Attic red-figure vase-painters. 2nd edition. Clarendon Press. Oxford 1971, Kat.Nr. 56, 31bis.
  • John Davidson Beazley: Addenda. Additional References to ABV, ARV2 & Paralipomena (Second Edition, compiled by T. H. Carpenter et al. at the Beazley Archive, 1989). 1989, S. 36.
  • Yfantidis, Konstantinos: Antike Gefäße. Staatliche Kunstsammlungen Kassel. Eine Auswahl. Melsungen 1990, S. 125-127, Abbildung S. 126-127, Kat.Nr. 71.
  • Schloss Wilhelmshöhe Kassel. Antikensammlung, Gemäldegalerie Alte Meister, Graphische Sammlung. München - London - New York 2000, S. 25.
  • N. Himmelmann: JdI 115. 2000, S. 311.
  • Y. Tuna-Nörling: AA. 2001, S. 38, Kat.Nr. Anm. 54 S. 43.
  • M. Recke: Gewalt und Leid. 2002, S. 69, 290, Kat.Nr. Nr. 5 Taf. 49b.
  • K. Junker: in: AntK 45. 2002, S. 3ff, Kat.Nr. Anm. 90.
  • L. Giuliani: Bild und Mythos. 2003, S. 174, Kat.Nr. 31.
  • L. Giuliani: Kriegers Tischsitten, in: Sinn in der Antike. 2003, S. 135ff.
  • B. A. Sparkes: The Ransom of Hektor Illustrated, in: Hyperboreus: Studia Classica 12. 2006, S. 5-20, Kat.Nr. 3.
  • G. Schwarz: Schwester, Gattin, Mutter? Die Rolle der Frauen in der Ikonographie von "Hektors Lösung", in: Proceedings of the XVIth International Congress of Classical Archaeology Boston, August 23-26, 2003. 2006, S. 575ff, Kat.Nr. 2.
  • Anke und Bernd Mauwald: Bilder zu Texten - Texte als Bilder. Griechische Vasenbilder und Figurengedichte, in: Kosmos der Zeichen. Schriftbild und Bildformel in Antike und Mittelalter. Begleitband zur Ausstellung Köln 2007. ZAKMIRA Bd. 5 (Wiesbaden 2007). Köln / Wiesbaden 2007, S. 170, Kat.Nr. 2.
  • A. Steiner: Reading Greek Vases. 2007, S. 110ff, 111, Kat.Nr. 6.10-11.
  • Lange, Justus; Dohe, Sebastian: Patrimonia 341. Dirck van Baburen, Archill vor der Leiche des Patroklos. Gemäldegalerie Alte Meister, Museumslandschaft Hessen Kassel. Kassel 2013, S. 43, Abbildung S. 42, Kat.Nr. 33a-b.

Siehe auch:


  1. T 674a: Deckel einer Amphora


Letzte Aktualisierung: 29.01.2026



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