Grabstein des Paulinus



Grabstein des Paulinus


Inventar Nr.: Sk 72
Bezeichnung: Grabstein des Paulinus
Künstler / Hersteller: unbekannt
Paulinus (nach 370 - vor 500 n. Chr.), Widmungsempfänger
Datierung:
5. Jh. n. Chr. / spätantik-frühmittelalterlich
Objektgruppe: Skulptur
Geogr. Bezüge:
1779 in einem Weinberg bei Kempten östlich von Bingen, südlich der Römerstraße nach Mainz
Imperium Romanum, Rheinland / Bingen, Kempten
Material / Technik: Kalkstein
Maße: 19,3 kg (Gewicht)
47,5 x 31 x 10 cm (Objektmaß)


Katalogtext:
Das Fragment gehörte zu einer Stele mit breiter erhabener Randleiste, die nach innen zum Inschriftenfeld hin abgeschrägt ist. Sie ist durch eingerissene Linien begrenzt und in Rechtecke aufgeteilt, die mit diagonalen Linien versehen sind. Die Inschrift gliedert sich in 15 Zeilen, von denen lediglich die Anfänge erhalten sind. Die breiten Buchstaben sind besonders zum rechten Rand des Fragmentes hin nur noch sehr schwer lesbar.

PAVLINVS […] | NOBILIS VITAE […] | TVM OSCVLUM […] | PTAVERAT DA […] | NMENDAN[…] | IT SECVN[…] | RITVM QVI D[…] | SINVS M[…] | QVEM SVO S[…] | MVS CVM D[…] | PI P N[…] | A EIVS SAR[…] | INVS HOC TE[…] | [P]AVLINA P[…] | [L]AVDAN[…]

Das A hat eine gerade Querhaste, die Mittelhasten des M reichen tief hinab, das Q hat die Form eines Kreises mit langem Haken. Der Text ist durchgehend geschrieben und nimmt die gesamte Höhe des Inschriftenfeldes ein.

Die Zeilen waren offenbar ziemlich lang, da sich aus ihren Resten nirgends ein zusammenhängender Sinn ergibt (Bieber 1915, Boppert 1971). Aus der Inschrift lässt sich lediglich erschließen, dass es sich bei der Stele um den Grabstein eines Paulinus handelt. In der vorletzten Zeile wird außerdem eine Frau namens Paulina erwähnt. Aufgrund der Buchstabenformen wird der Stein in das 5. Jh. n. Chr. datiert (Bieber 1915, Boppert 1971). Der lateinische Name Paulinus ist in Gallien und den germanischen Provinzen häufig belegt. Er spricht dafür, dass der Verstorbene der romanischen Restbevölkerung angehörte, die nach der fränkischen Landnahme im Mittelrheingebiet verblieben war (Boppert 1971, Schmitz 1991).

Die geometrische Randornamentik tritt im allgemeinen nur auf fränkischen Grabsteinen auf (Boppert 1971). Es ist jedoch möglich, dass die Romanen fränkische Elemente für die Gestaltung ihrer Grabdenkmäler übernahmen (Schmitz 1991). Christliche Symbole fehlen. Dennoch gilt der Paulinus-Stein als christliches Grabmonument. Man geht davon aus, dass sich pagane Glaubensvorstellungen in der romanischen Bevölkerung nicht bis in diese späte Zeit hinein gehalten haben (Bieber 1915, Boppert 1971).

(Zimmermann-Elseify 2007)


Literatur:
  • Bieber, Margarete: Die antiken Skulpturen und Bronzen des Königlichen Museum Fridericianum in Cassel. Marburg 1915, Kat.Nr. 112.
  • Gercke, Peter; Zimmermann-Elseify, Nina: Antike Skulpturen und Neuzeitliche Nachbildungen in Kassel. Bestandskatalog. Mainz 2007, Kat.Nr. 123, S. 366.


Letzte Aktualisierung: 04.07.2019


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