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Diadumenos



Diadumenos


Inventar Nr.: Sk 11
Bezeichnung: Diadumenos
Künstler / Hersteller: Polyklet, Kopie nach
Datierung:
Datierung:130 - 140 n. Chr. (röm. Umbildung)
Griechisches Vorbild:um 420 BC (Typus Diadoumenos von Polykleitos)
Objektgruppe: Skulptur
Geogr. Bezüge:
Imperium Romanum
Fundort: angeblich »in den Ruinen des Forum Archémorium in Rom gefunden, wo jetzt der Palazzo Gentili steht
Material / Technik: Weißer, fein- bis mittelkristalliner Marmor
Maße: rechte Brustwarze bis Penisansatz 32,5 cm (Distanz)
linke Brustwarze bis Penisansatz 37,5 cm (Distanz)
Brustwarzen 20,7 cm (Distanz)
linke Brustwarze bis Bauchnabel 23,2 cm (Distanz)
Bauchnabel bis Penisansatz 14,5 cm (Distanz)
94 cm (Höhe)
rechte Brustwarze bis Bauchnabel 18,7 cm (Distanz)
Taille 72 cm (Umfang)
Provenienz:Erworben 1777 durch Landgraf Friedrich II. in Rom bei Gavin Hamilton


Katalogtext:
Der Torso eines jungen Mannes steht in Schrittstellung mit linkem Spielbein und rechtem Standbein, an dessen Oberschenkel in ganzer Länge hinten das Oberteil der Statuenstütze ansetzt. Beide Arme waren erhoben, die linke Schulter höher mit zur Seite gestrecktem Oberarm nach Achselansatz und linker Brust. Der Kopf war nach rechts gewandt und leicht vorgebeugt. Der Körperbau und die Haltung der Figur folgen der Struktur chiastischer Ponderation: linkes entlastetes Spielbein, bis zur Taille abgesenkter Unterkörper, darüber gestreckter gegenbewegter Oberkörper mit angespannter erhobener Schulter auf der linken Körperhälfte – auf der rechten Körperhälfte belastetes Standbein, bis zur Taille emporgestemmte Hüft-Becken-Partie, darüber gestauchter und zur rechten Seite einknickender Oberkörper mit abgesenkter Schulter und niedriger gehaltenem Oberarm. Weitere wechselseitige Richtungen und räumliche Bewegungen von Kopf zu Spielbein und der divergierenden Armhaltungen gehören ebenso zur polykletischen Figurenkomposition und stehen typologisch dem Diadoumenos besonders nahe (s. Sk 27).

(Gercke 2007)

Bereits die frühe Forschung hat erkannt, dass dieser Torso seine nächste Parallele in einem damals auch von Cavaceppi zu einem Faustkämpfer ergänzten, maßgleichen Torso Genf (ehemals Lansdowne) mit gleichartiger Statuenstütze hat (Furtwängler 1893; Bieber 1915; zuletzt Kreikenbom 1990). Nach Kreikenboms grundlegender Replikenrezension und sorgfältiger Analyse der Typen handelt es sich bei dem Torso Genf um eine späthadrianische, zeittypisch verjüngte Variante des Diadoumenos von schlankerem Wuchs, reduzierter Binnengliederung und geschmeidigerer Formgebung unter Beibehaltung der kontrapostischen Bewegung. In der bildhauerischen Ausführung mit flachem Inkarnat, sparsamer akademischer Modellierung und Verschlankung der Proportionen unterscheiden sich beide Torsen nur graduell und gehören beide der spathadrianisch-frühantoninischen Zeit an.

Der Torso Kassel schwächt im Vergleich mit dem Genfer Exemplar den kontrapostischen Figurenaufbau weiter ab durch eine verschleifende Gliederung des geschichteten bewegten Körperbaus und eine steifere Aufrichtung des Rumpfes. So entstehen durch vereinfachte Ausrichtung der Figur auf die Mittelachse Unstimmigkeiten im Körperbau nach den Maßstäben polykletischer Figurenkonzeption und lassen sich bis in die anatomischen Details nachweisen: »Das exakt rechtwinklig auf die Mittelachse bezogene Schamhaar sitzt unorganisch zwischen den ponderierten Hüften« (Kreikenbom 1990 Kat 71). Ferner weicht er von dem Genfer Exemplar ab durch stärkere Zurücknahme athletischer Formen, die in Verbindung mit einer schmächtigeren Brustpartie, einem verkleinerten Geschlecht und hochgezogenen, gelängten Leistenlinie zu einer weiteren Verjüngung des Dargestellten führen. Diese Abwandlungen berechtigen dazu, ihn als Umbildung des Diadoumenos zu klassifizieren, ohne dass wir entscheiden können, ob er das Figurenmotiv nur in verjüngter Version wiedergibt oder von einer motivisch veränderten Figur stammt.


Literatur:
  • Bieber, Margarete: Die antiken Skulpturen und Bronzen des Königlichen Museum Fridericianum in Cassel. Marburg 1915, Kat.Nr. 7.
  • Gercke, Peter; Zimmermann-Elseify, Nina: Antike Skulpturen und Neuzeitliche Nachbildungen in Kassel. Bestandskatalog. Mainz 2007, Kat.Nr. 10, S. 70.71.


Letzte Aktualisierung: 17.04.2020


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