Lar



Lar


Inventar Nr.: Br 81
Bezeichnung: Lar
Künstler / Hersteller: unbekannt
Datierung: 1. Jh. n. Chr.
Objektgruppe: Statuette
Geogr. Bezüge: Imperium Romanum
Material / Technik: Bronze
Maße: 11,8 cm (Höhe)


Katalogtext:
VoIIguß. Die erhobene Rechte hielt das Rhyton, die Linke die Schale; Reste der in Silber eingelegten senkrechten Streifen auf der Tunika, der sogenannten clavi angusti (ursprünglich Abzeichen der Ritterschaft?) erhalten.
Der tänzelnde Lar trägt eine doppelt gegürtete Tunika und hat wie Nr. 75 ein zusammengedrehtes Mäntelchen um die Hüften geschlungen. Lebendige Faltenwiedergabe; flaches Gesicht, von grobgebildeten abstehenden Locken gerahmt.

Larenfiguren (Nr. 74—77) Die Laren wurden als göttliche Beschützer des Hauswesens, auch größerer Gemeinschaften wie eines Stadtteiles (compitum) oder eines Heeresteiles verehrt, an privaten oder öffentlichen Altären. Dargestellt werden sie, wie zahlreiche Wandmalereien aus pompeianischen Lararien zeigen, als jugendliche Gestalten, die meist zu Seiten des Genius des Hausherrn, aber auch zu Seiten einer Gottheit oder des vergöttlichten Kaisers als Opfer eine Weinspende aus einem emporgehobenen Rhyton in ein Eimerchen oder eine Schale fließen lassen. Bekleidet sind sie stets mit einer gegürteten Tunika und Fellstiefeln, um die Taille ist häufig ein Mäntelchen geschlungen, dessen Enden zur Seite flattern. Die Bronzestatuetten standen in den häuslichen Kultnischen; bei der offiziellen Ausübung des Larenkultes wurden sie vielleicht von Beamten getragen (vgl. Helbig4 I Nr. 258). Unter Augustus wurde der Larenkult erneuert; man errichtete kleine Heiligtümer mit Altären in den verschiedenen Stadtbezirken, an denen der Genius des Kaisers zusammen mit den Laren verehrt wurde, gewissermaßen als „oberster Hausherr im Staate" (E. Simon/ zu Helbig4 I Nr. 83). Das Bild des tänzelnden Laren wird von einigen Forschern durch die ausgelassenen Feste zu Ehren der lares compitales erklärt. Die Schlangen auf den gemalten Lararia in Pompei deuten auf den chthonischen Charakter der Laren hin, auch das Rhyton, das als Spendegefäß ein häufiges Attribut der Heroen auf griechischen Heroenreliefs (s. auch K. Tuchelt, Tiergefäße in Protomengestalt [1962] 113 f. Taf. 26, 2-4) ist.
(Höckmann 1973)



Literatur:
  • Bieber, Margarete: Die antiken Skulpturen und Bronzen des Königlichen Museum Fridericianum in Cassel. Marburg 1915, Kat.Nr. 201.
  • Ebert, Sigrid: Die Marburger Frauentracht. Marburg 1939.
  • Höckmann, Ursula: Antike Bronzen. Staatliche Kunstsammlungen Kassel. Eine Auswahl. Kassel 1973, S. 35, Kat.Nr. 74.


Letzte Aktualisierung: 11.08.2020


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