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Deckel und Boden einer Glasbüchse "Landgraf Carl zu Pferd, Landgraf Carl und Minerva"



Deckel und Boden einer Glasbüchse "Landgraf Carl zu Pferd, Landgraf Carl und Minerva"


Inventar Nr.: KP B IX/I.82
Bezeichnung: Deckel und Boden einer Glasbüchse "Landgraf Carl zu Pferd, Landgraf Carl und Minerva"
Künstler / Hersteller: Christoph Labhardt (1644 - 1695)
Datierung: 1689
Objektgruppe: Gefäß
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Glas, geschnitten
Maße: Zusammengesetzt 2,9 cm (Höhe)
5,2 cm und 4,8 (Durchmesser)
1,9 cm und 1 (Höhe)


Katalogtext:
Labhardts Arbeiten in Glas zeichnen sich durch die Ausarbeitung auch feinster Details aus, wie die kleine Glasdose eindrucksvoll belegt. So zeigt ihr Boden in Tiefschnitt und Diamantgravur Landgraf Carl von Hessen-Kassel in antikisierender Rüstung mit federgeschmücktem Helm und Feldherrenstab als unerschrockenen Feldherrn hoch zu Pferd, inmitten des um ihn tosenden Schlachtengetümmels. Labhardt standen für die gesamte Szenerie nur wenige Quadratzentimeter zur Verfügung, doch schnitt er nicht nur die Rüstung des Landgrafen und das Zaumzeug des Pferdes detailliert in das Glas – der Brustpanzer Carls lässt sogar das stilisierte Muskelspiel erkennen –, sondern bildete selbst den flaumigen Federbusch des Helms und die in der Bewegung des steigenden Pferdes emporwirbelnde Mähne des Tieres ab. Vor allem aber vermochte es Labhardt, dem Dargestellten eine räumliche Tiefe und eine bewegte Dreidimensionalität zu verleihen und so die Kämpfenden gleich einem Diorama scheinbar in weitem Kreis um den Landgrafen zu gruppieren. Am Rand des Glasbodens, unter den Hinterläufen des Schlachtrosses, findet sich die gravierte Inschrift „C Labhardt fecit 1689“, die das Stück eindeutig als Werk von seiner Hand ausweist.
Auch der Deckel des Glasdöschens ist kunstvoll gestaltet. Landgraf Carl, nun mit dem Lorbeerkranz als Zeichen des Sieges bekrönt, wird von Minerva zu den Waffen und Standarten der Besiegten geführt. Die Figur der Minerva, hier als Personifikation der siegreichen Kriegsführung, war fester Bestandteil der frühneuzeitlichen Fürstenglorifikation. So findet sich die Göttin der Weisheit, des klugen Kriegswesens und des Handwerks, Schutzherrin der Wissenschaften und der Künste in den von Landgraf Carl beauftragen Werken in mannigfaltiger Gestalt. Denn mehr noch als den Halbgott und Helden Herkules bevorzugte der hessische Landesherr Minerva, als bildliche Verkörperung seines Selbstverständnisses als Herrscher.
Das dem Lob des Landgrafen dienende Bildprogramm der beidseitig gearbeiteten Deckeldose könnte zudem auf einen konkreten historischen Anlass Bezug nehmen, denn im Jahr der Entstehung stand Hessen-Kassel im Krieg gegen Frankreich. Als repräsentatives Schaustück für den Landgrafen persönlich gefertigt oder als bedeutendes Geschenk für einen wichtigen Verbündeten gegen den Feind vorgesehen, war es Labhardt gelungen Landgraf Carl auf künstlerisch höchstem Niveau als unerschrockenen Kämpfer, siegreichen Feldherr und tatkräftigen Landesherr zu inszenieren.
(10/2016, Stefanie Cossalter-Dallmann)


Literatur:
  • Meyer, Klaus-Heinrich: Studien zum Steinschnitt des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter besonderer Berücksichtigung der Werkstatt am Hofe von Hessen-Kassel in den Jahren 1680–1730. Hamburg 1973, Kat.Nr. A-5, S. 84.
  • Schmidberger, Ekkehard: Edelsteinschnitt des Barock - Die Künstler am hessischen Landgrafenhof. In: Kunst & Antiquitäten (1986), S. 40-51, S. 42-44.
  • Scherner, Antje [Bearb.]; Cossalter-Dallmann Stefanie [Bearb.]: Aus der Schatzkammer der Geschichte. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Petersberg 2016, Kat.Nr. 48, S. 114.
  • Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa. Petersberg 2018, Kat.Nr. VI.7, S. 295-296.


Letzte Aktualisierung: 11.10.2018


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