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Astrolabium, wohl nach Paul Wittich



Astrolabium, wohl nach Paul Wittich


Inventar Nr.: APK A 37
Bezeichnung: Astrolabium, wohl nach Paul Wittich
Künstler / Hersteller: Jost Bürgi (1552 - 1632), Zuschreibung
Datierung: 1584
Objektgruppe: Astronomisches Instrument
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Kupferlegierung, Messing
Maße: 200 mm (Durchmesser)


Katalogtext:
Detailbeschreibung:
Die Rückseite der Mater trägt – von außen nach innen – eine Sonnen- und eine Kalenderskala, vier Höhenquadranten, zwei Schattenquadrate in der unteren und zwei universelle Stundenquadranten in der oberen Hälfte. Bei der Schreibung der Tierkreiszeichen fällt besonders thaur9, cap’corn9 (?)und piſce ins Auge, bei der Kalenderskala maÿ9. Das Frühlingsäquinoktium fällt wohl auf den 11. März. Die Schattenquadrate sind beide in der Einheit Finger ausgeteilt.
Die Rete, die anderen Stücken aus dem Frankreich des 15. Jahrhunderts ähnelt, weist eine Besonderheit auf: Der üblicherweise oben spitz zulaufende offene Rahmen ist hier rundum geschlossen und trägt eine Gradskala, die am Ostpunkt beginnt, in Fünferschritten unterteilt und in Zehnerschritten gegen den Uhrzeigersinn einmal von 10 bis 360 beschriftet von außen lesbar ist. Die dazwischen liegenden, auf diese Weise übrigen Kästchen sind nochmals – diesmal im Uhrzeigersinn und von innen lesbar – von 10 bis 360 beschriftet. Der Äquinoktialsteg ist zweifach versetzt; die mehrfachen Versetzungen des Solstitialstegs helfen bei der Anordnung der Sternzeiger. Auf dem Ekliptikring ist wie auch auf der Rückseite (siehe oben) thaur9 angegeben. Die 23 Sternzeiger sind krallen-, manche auch flammen bzw. wurmförmig.

Das Instrument trägt in der Mater eine einzelne Scheibe mit den üblichen Gravuren für die Ortsscheiben eines nördlichen Astrolabs. Sie ist mit pariſi9 beschriftet und für 48;30° gedacht.
Kontext:
Die Gestaltung der Rete mit dem Dreifachsternzeiger und dem falsch plazierten Zeiger für cornu stellt dieses Astrolab eindeutig in eine Reihe mit den zahlreichen von Jean Fusoris und seiner Werkstatt gefertigten Stücken. Der Zweifachzeiger scheint jedoch ebenso wenig in dieser Tradition zu stehen, wie der rundum laufende Rahmen der Rete, der sich auch auf einem weiteren französischen Astrolab mit Räderwerk aus dem 15. Jahrhundert (ICC, S. 198) und einer französischen Astrolabscheibe von 1548 (ICC, S. 204) findet. Auf diesem Astrolab trägt der Rahmen jedoch eine Kalenderskala – nicht wie hier eine Gradskala –; bei der Astrolabscheibe scheint die vereinfachte Rete einen stützenden Rahmen notwendig zu machen. Wann und wie dieses Astrolabium nach Kassel kam, ist nicht bekannt. Erstmals wird es im Schloßinventar von 1573 erwähnt. Auch im Inventar der mathematischen Instrumente von 1644 ist es aufgeführt.

(P. Schmidl, 2007)


Literatur:
  • Karsten Gaulke (Bearb.): Der Ptolemäus von Kassel. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und die Astronomie. Kassel 2007, S. 226.


Letzte Aktualisierung: 06.08.2018


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