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Himmelsglobus, als Rechenglobus verwendet



Himmelsglobus, als Rechenglobus verwendet


Inventar Nr.: APK A 1
Bezeichnung: Himmelsglobus, als Rechenglobus verwendet
Künstler / Hersteller: Eberhard Baldewein (1525 - 1593)
Datierung: nach 1560
Objektgruppe: Astronomisches Instrument
Geogr. Bezug: Kassel
Material / Technik: Kupfer, Messing, Eisen, Silber
Maße: Himmelsglobus 72 cm (Durchmesser)
Himmelsglobus mitsamt Horizontring 89 cm (Durchmesser)
ohne Holzsockel 115 cm (Höhe)


Katalogtext:
Kontext: Es handelt sich um den ältesten noch erhaltenen derartigen Globus der Welt. Rechengloben wurden in den arabischen und abendländischen Sternwarten des Mittelalters und der frühen Neuzeit als Datenspeicher verwendet. Die mit den Winkelmessinstrumenten Quadrant, Sextant, Torquetum oder Armillarsphäre gemessenen Sternpositionen wurden mit Hilfe von Stechzirkeln auf die Globusoberfläche aufgebracht. Daher finden sich auch auf dem Kasseler Rechenglobus feine Einstichpunkte in den silbernen
Sternplättchen.

Benutzung: Will der Benutzer die Position eines Sternes am Globus bestimmen, bewegt er das im Zenit des Globus befestigte Höhenlineal auf die Position des Sternes. Am Horizontring liest der Benutzer die X-Koordinate ab, die den Azimut, also die Auslenkung des Sternes aus der Nordrichtung angibt. In unserem Beispiel sind dies etwas mehr als 20° Ost. Die Y-Koordinate ist die Höhe des Sterns über dem Nordosthorizont. Diese wird an der Skala auf dem Höhenlineal abgelesen. Der Globus ist momentan auf die Polhöhe von Kassel (51° 18' nördliche Breite) eingestellt, kann aber je nach Beobachtungsort beliebig verändert werden.

Geschichte: Der Rechenglobus befand sich während der Regierungszeit des Astronomen-Landgrafen Wilhelm IV. in einer wesentlich weniger ästhetisch ansprechenden Form. Wilhelm IV. hatte ihn als einfache Kupfersphäre ohne jede Verzierung bei seinem Instrumentenmacher Baldewein in Auftrag gegeben. 1577 stand der Kupferglobus im Zimmer hinter der Altanensternwarte, wie man auf einem Gemälde sehen kann, das Landgraf Wilhelm IV. und seine Frau Sabina von Württemberg vor den astronomischen Messinstrumenten zeigt. In den 1580er Jahren muss der Globus von Schweizer Uhrmacher Jost Bürgi umgearbeitet worden sein, als die Positionen der Fixsterne genauer als in den 1560er Jahren vermessen
wurden. Nach dem Tod Wilhelms IV. blieb der Globus 100 Jahre unverändert in der Sammlung mathematischer Instrumente erhalten. Landgraf Carl von Hessen-Kassel (reg. 1677 – 1730) ließ in durch den Kupferstecher Lennep prächtig mit Sternbildern ausgestalten. Alls Vorlage diente das Kartenbild eines holländischen Globus von Willem Blaeu. Auch der doppelte Kalender auf dem Horizontring mit julianischen und gregorianischen Angaben stammt aus dieser Zeit.

(K. Gaulke, 2018)


Literatur:
  • Karsten Gaulke (Bearb.): Der Ptolemäus von Kassel. Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel und die Astronomie. Kassel 2007, S. 180-182.


Letzte Aktualisierung: 10.10.2018


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